Jetzt günstig finanzieren – aber Eigenkapital, Laufzeit und Tilgung nicht vergessen
Eine Immobilienfinanzierung ist langfristig nur dann „seriös“, wenn sie nicht nur zum aktuellen
Zinssatz passt, sondern auch dann noch tragfähig bleibt, wenn sich Einkommen, Lebenssituation
oder Zinsniveau verändern.
Zentral sind dabei: Eigenkapital (als Risikopuffer und für bessere Konditionen),
eine realistische Laufzeitstrategie (Zinsbindung/Planbarkeit) sowie eine
ausreichende Tilgung, damit die Restschuld zur nächsten Zinsrunde beherrschbar bleibt.
Beispiel: Tilgung macht einen großen Unterschied
Beispielrechnung (vereinfachte Annuität, ohne Sondertilgung): Darlehen 200.000 €,
Sollzins 3,5 %, Zinsbindung 10 Jahre.
| Tilgung (anfänglich) |
Annuität p. a. |
Monatsrate ca. |
Restschuld nach 10 Jahren ca. |
| 1,0 % |
4,5 % (= Zins 3,5 % + Tilgung 1,0 %) |
750 € |
176.500 € |
| 2,0 % |
5,5 % (= Zins 3,5 % + Tilgung 2,0 %) |
917 € |
153.100 € |
Hinweis: Werte gerundet; tatsächliche Verläufe hängen von Zahlungszeitpunkten, Tilgungsmodalitäten und
Bankkonditionen ab. Kernaussage: höhere Tilgung senkt die Restschuld deutlich.
10 Tipps zur optimalen Finanzierung
- Konditionen vergleichen: Mindestens 3–5 Angebote (Zins, Gebühren, Flexibilität) einholen.
- Finanzierungsbedarf realistisch ansetzen: Nebenkosten, Außenanlagen, Küche, Umzug, Reserven einplanen – Nachfinanzierungen sind oft teuer.
- Ausreichend lange Zinsbindung wählen: Planbarkeit ist ein Wert. Je höher die Restschuld, desto wichtiger die Zinsrisiko-Absicherung.
- Eigenkapital einbringen: Als Faustregel sind ~20 % (plus Kaufnebenkosten, wenn möglich) eine starke Verhandlungsbasis.
- Tilgung höher als 1 % prüfen: Wer es leisten kann, schafft Stabilität für die Anschlussfinanzierung.
- Stresstest rechnen: Können Sie die Rate bei deutlich höheren Zinsen (z. B. +2–3 %-Punkte) tragen?
- Sondertilgung vereinbaren: Auch wenn heute nicht relevant – es ist eine wertvolle Option (häufig bis 5 % p. a. möglich, bankabhängig).
- Unwägbarkeiten einpreisen: Rücklage für Reparaturen/Investitionen – sonst wird Finanzierung zum „Seiltanz“.
- Nur so viel Darlehen wie nötig: Niedrige Zinsen ändern nichts daran, dass jeder Euro zurückgezahlt werden muss.
- Fördermittel prüfen: KfW und ggf. Landesförderbanken können Zinsvorteile und Zuschüsse bieten (abhängig von Programm/Objekt/Effizienzstandard).
Informationen zur Förderung: kfw.de
Weitere Tipps (zusätzliche Punkte, die oft Geld sparen)
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Tilgungssatzwechsel vereinbaren: Wenn Einkommen steigt (oder sinkt), ist Flexibilität Gold wert.
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Volltilger-Option prüfen: Wenn die Rate passt, kann ein Volltilgerdarlehen maximale Zinssicherheit bringen.
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Forward-Darlehen (für Anschlussfinanzierung) frühzeitig prüfen: Bei großen Restschulden lohnt strategische Planung.
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Bereitstellungszinsen beim Neubau sauber verhandeln (bereitstellungsfreie Zeit + Puffer) – das ist ein echter Kostentreiber.
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Beleihungsauslauf optimieren: Schon wenige Prozentpunkte weniger (mehr EK / geringerer Kredit) können die Zinsklasse verbessern.
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Ratenhöhe „all-in“ betrachten: Nicht nur Darlehensrate, sondern auch Hausgeld/Nebenkosten, Rücklagen, Versicherungen berücksichtigen.
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Versicherungen passend, nicht überdimensioniert: Wohngebäude, Haftpflicht, Risikoleben (bei Familie) – sinnvoll, aber zielgerichtet.
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Keine Schönrechnerei bei Mieteinnahmen: Bei Kapitalanlagen Leerstand, Instandhaltung und nicht umlagefähige Kosten realistisch kalkulieren.
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Dokumente & Budgetdisziplin: Eine saubere Unterlagenmappe und klare Zahlen verbessern Verhandlung und Geschwindigkeit (Bank/Notar/Abwicklung).
Merksatz: Nicht der niedrigste Zinssatz ist „die beste Finanzierung“, sondern die Kombination aus
Tragfähigkeit, Flexibilität und beherrschbarer Restschuld.