Grundsteuererklärung: Viele Fragezeichen

ELSTER Grundsteuererklärung - Bayern verlängert die Frist zur Grundsteuererklärung bis Ende April

Elster Formulare
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Eigentümerinnen und Eigentümer von Grundbesitz, wie z. B. Wohngrundstücke und land- und forstwirtschaftliche Betriebe, können ab dem 01.07. 2022 die Feststellungserklärung zur Neuberechnung der Grundsteuer bei ihrem zuständigen Finanzamt abgeben. Die Feststellungserklärung war bis zum 31.01.2023 bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen, in dessen Bereich das Grundstück liegt. Die Erklärung ist grundsätzlich digital abzugeben. Dies ist über das Online-Finanzamt ELSTER möglich. Für die Abgabe über ELSTER benötigen die Eigentümerinnen und Eigentümer einen entsprechenden ELSTER-Zugang.

Digital ist nicht deckungsgleich mit digital einfach
Und genau hier fangen die Irritationen an. Bei dem Angebot auf der Seite „ELSTER“ handelt es sich um einen epischen Fragenbogen, der den/die Eigentümer eher irritiert als unterstützt. Ist der Aufwand für Eigentümer und Eigentümerinnen von Einfamilienhäusern noch einigermaßen überschaubar, werden Aufwand und Nachvollziehbarkeit für Eigentümer von - vor allem älteren - Mehrfamilienhäusern und ETWs zum Geduldsspiel.

Bei Eigentumswohnungen wird es richtig spannend - Jede Wohnung einer ETW Anlage wird separiert
Besonders irritierend ist es für Eigentümer von Eigentumswohnungen.
Da es grundsätzlich vorgesehen ist, dass jeder Eigentümer einer Eigentümergemeinschaft die erforderlichen Angaben für sein Haus oder seine ETW - nach bestem Wissen und Kenntnisstand  durchführt - ist bereits jetzt davon ausgehen, dass die zusammengeführten Ergebnisse sämtlicher Wohnungen einer ETW-Anlage mit einem hohen Fehlerpotenzial behaftet sein wird. 

Wohnflächenberechnung - kein einheitlicher Standard 
Die größte Hürde und damit verbundene zu erwartende Fehlerquelle wird sich aus der individuellen Interpretation der Wohnflächenberechnung ergeben. Denn: Die Wohnfläche der eingereichten Wohnungseinheiten wird später in die Gesamtfläche der Eigentümergemeinschaft überführt. 
Es ist davon auszugehen, dass vor allem Wohnflächenangaben schon bei kleinen älteren Eigentumsanlagen (ohne vorliegende Wohnflächenberechnungen nach WoFlV)) im Gesamtergebnis Unstimmigkeiten aufweisen - bei den großen Anlagen mit 100 oder mehr Einheiten kann sich die Fehlerquote schnell anhand des Gesetzes der großen Zahl multiplizieren - und dann wird es gänzlich unübersichtlich.
So dürfte es nicht verwundern, wenn ein und dieselbe Wohnanlage nach Zusammenführung der Einzelberechnungen durchaus eine Gesamtwohnfläche in Höhe von 8.000 m² - oder auch mal 7.500 m² oder 8.500 m² aufweist.

Kennen sämtliche Eigentümer die WoFIV? 
Beispiele: Augen zu und durch

- Ab welcher Höhe werden Wohnflächen komplett oder nur teilweise angerechnet?
- Wie werden Flächen von Wintergärten und Balkonen und Terrassen berechnet?
- Werden Nischen - z.B. von Kaminen - abgezogen oder mitberechnet?

Zu konsistenten Gesamtergebnissen könnten ausschließlich die abgestimmte Abgabe von gemeinsamen Erklärung sämtlicher Eigentümer beitragen. Dies wird in der Praxis in den meisten fällen jedoch nicht umsetzbar sein. Alternativ können WEG-Verwalter oder Steuerberater als Dienstleister eingebunden werden, die gegen entsprechende Gebühr tätig werden. Preise für diese Dienstleistung in Höhe von bis zu 300 € für eine Wohnungen sind bisher am Markt bekannt. - Ob sich jeder Eigentümer diese Kosten zusätzlich zu den bekannten allgemeinen Preissteigerungen auch noch aufbürden lassen möchte, ist fraglich. - Also bleibt es wohl bei der Abgabe der Erklärung mit der Maßgabe „Augen zu und durch“.

Anzahl abgegebener Anträge bisher bei rund 65%
Bisher (30.01.2023) wurden gerade einmal rund 65% der erforderlichen 38 Millionen Fragebögen digital abgegeben.  

Hauptsache die Macher sind mit dem digitalen Formular zufrieden
Nach den selbstbewussten Ausführungen verantwortlicher Stellen der Finanzverwaltung NRW zur Qualität der ELSTER-Bögen in einer großen deutschen Tageszeitung, soll das Ausfüllen der ELSTER Formulare nicht aufwändiger sein, als eine Bestellung im Internet.  - Wenn dann die Internetbestellungen bei Amazon, Zalando und Co. tatsächlich dieselbe Zeit benötigt, sollte sich der stationäre Einzelhandel sicherlich keine Gedanken mehr über die digitale Konkurrenz machen müssen.
Im Übrigen suchen aktuell bereits die ersten Finanzämter Aushilfspersonal zur Bearbeitung der bisher eingegangenen Bögen und zur Unterstützung der Immobilieneigentümer bei dem Ausfüllen der digitalen Formulare...

Fristverlängerung - Bayern verlängert um 3 Monate!
Die Abgabefrist für die Grundsteuererklärung wurde bundesweit  bis Ende Januar 2023 verlängert. Einzig Bayern hat die Abgabefrist noch einmal bis Ende April verlängert - Wie es dann mit den fehlenden Anträgen  weitergeht, ist von der Politik bisher noch nicht klar kommuniziert.

Grundsteuererklärung möglichst pünktlich abgeben
Tipp: Sollten Sie Ihre Grundsteuerklärung nicht bis zum Ende Januar 2023 abgeben, müssen Sie mit einer Schätzung der Steuerschuld rechnen. Dann kann es teuer werden, denn bei einer Steuerschätzung kann das Finanzamt  Sicherheitszuschläge einrechnen – und das kann die Steuerlast erheblich erhöhen. Zudem kann ein Strafgeld in Höhe von bis zu 25.000 € verhängt werden.


Formulare und Arbeitshilfen:
- Vordrucke einfach online ausfüllen und abschicken mit ELSTER: 

ELSTER

- Arbeitshilfe Wohnflächenberechnung:
- Wohnflächenverordnung (WoFIV)

Eine konkrete Arbeitshilfe zum Ausfüllen der online Grundsteuererklärung erhalten Sie auf dem Portal:
Grundsteuer.de


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