Grundsteuererklärung: Noch nicht richtig realisiert - aber schon irritiert

ELSTER Grundsteuererklärung

Elster Formulare
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Eigentümerinnen und Eigentümer von Grundbesitz, wie z. B. Wohngrundstücke und land- und forstwirtschaftliche Betriebe, können ab dem 01.07. 2022 die Feststellungserklärung zur Neuberechnung der Grundsteuer bei ihrem zuständigen Finanzamt abgeben. Die Feststellungserklärung ist bis zum 31. Oktober 2022 bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen, in dessen Bereich das Grundstück liegt. Die Erklärung ist grundsätzlich digital abzugeben. Dies ist über das Online-Finanzamt ELSTER möglich. Für die Abgabe über ELSTER benötigen die Eigentümerinnen und Eigentümer einen entsprechenden ELSTER-Zugang.

Digital ist nicht deckungsgleich mit digital einfach
Und genau hier fangen die Irritationen an. Bei dem Angebot auf der Seite „ELSTER“ handelt es sich um einen epischen Fragenbogen, der den/die Eigentümer eher irritiert als unterstützt. Ist der Aufwand für Eigentümer und Eigentümerinnen von Einfamilienhäusern noch einigermaßen überschaubar, werden Aufwand und Nachvollziehbarkeit für Eigentümer von - vor allem älteren - Mehrfamilienhäusern und ETWs zum Geduldsspiel.

Bei Eigentumswohnungen wird es richtig spannend - Jede Wohnung einer ETW Anlage wird separiert
Besonders irritierend ist es für Eigentümer von Eigentumswohnungen.
Da es grundsätzlich vorgesehen ist, dass jeder Eigentümer einer Eigentümergemeinschaft die erforderlichen Angaben für sein Haus oder seine ETW - nach bestem Wissen und Kenntnisstand  durchführt - ist bereits jetzt davon ausgehen, dass die zusammengeführten Ergebnisse sämtlicher Wohnungen einer ETW-Anlage mit einem hohen Fehlerpotenzial behaftet sein wird. 

Wohnflächenberechnung - kein einheitlicher Standard 
Die größte Hürde und damit verbundene zu erwartende Fehlerquelle wird sich aus der individuellen Interpretation der Wohnflächenberechnung ergeben. Denn: Die Wohnfläche der eingereichten Wohnungseinheiten wird später in die Gesamtfläche der Eigentümergemeinschaft überführt. 
Es ist davon auszugehen, dass vor allem Wohnflächenangaben schon bei kleinen älteren Eigentumsanlagen (ohne vorliegende Wohnflächenberechnungen nach WoFlV)) im Gesamtergebnis Unstimmigkeiten aufweisen - bei den großen Anlagen mit 100 oder mehr Einheiten kann sich die Fehlerquote schnell anhand des Gesetzes der großen Zahl multiplizieren - und dann wird es gänzlich unübersichtlich.
So dürfte es nicht verwundern, wenn ein und dieselbe Wohnanlage nach Zusammenführung der Einzelberechnungen durchaus eine Gesamtwohnfläche in Höhe von 8.000 m² - oder auch mal 7.500 m² oder 8.500 m² aufweist.

Kennen sämtliche Eigentümer die WoFIV? 
Beispiele: Augen zu und durch

- Ab welcher Höhe werden Wohnflächen komplett oder nur teilweise angerechnet?
- Wie werden Flächen von Wintergärten und Balkonen und Terrassen berechnet?
- Werden Nischen - z.B. von Kaminen - abgezogen oder mitberechnet?

Zu konsistenten Gesamtergebnissen könnten ausschließlich die abgestimmte Abgabe von gemeinsamen Erklärung sämtlicher Eigentümer beitragen. Dies wird in der Praxis in den meisten fällen jedoch nicht umsetzbar sein. Alternativ können WEG-Verwalter oder Steuerberater als Dienstleister eingebunden werden, die gegen entsprechende Gebühr tätig werden. Preise für diese Dienstleistung in Höhe von bis zu 300 € für eine Wohnungen sind bisher am Markt bekannt. - Ob sich jeder Eigentümer diese Kosten zusätzlich zu den bekannten allgemeinen Preissteigerungen auch noch aufbürden lassen möchte, ist fraglich. - Also bleibt es wohl bei der Abgabe der Erklärung mit der Maßgabe „Augen zu und durch“.

Anzahl abgegebener Anträge bisher bei rund 18%
Bisher (12.09.2022) wurden gerade einmal rund7 Mio. der erforderlichen 38 Millionen Fragebögen digital abgegeben - das sind 18% der erforderlichen Fragebögen. Für die restlichen 82 % ist die Deadline bekanntlich der 31.10.2022. 

Hauptsache die Macher sind mit dem digitalen Formular zufrieden
Nach den selbstbewussten Ausführungen verantwortlicher Stellen der Finanzverwaltung NRW zur Qualität der ELSTER-Bögen in einer großen deutschen Tageszeitung, soll das Ausfüllen der ELSTER Formulare nicht aufwändiger sein, als eine Bestellung im Internet.  - Wenn dann die Internetbestellungen bei Amazon, Zalando und Co. tatsächlich dieselbe Zeit benötigt, sollte sich der stationäre Einzelhandel sicherlich keine Gedanken mehr über die digitale Konkurrenz machen müssen.
Im Übrigen suchen aktuell bereits die ersten Finanzämter Aushilfspersonal zur Bearbeitung der bisher eingegangenen Bögen und zur Unterstützung der Immobilieneigentümer bei dem Ausfüllen der digitalen Formulare...

Fristverlängerung
Nach jetzigem Stand soll die Abgabefrist (Ende Oktober) nicht verlängert werden - obwohl insgesamt erst ca. 2ß% der Anträge abgegeben wurden. Wie das weitere handling (Unterstützung der Bürger, vorauss. riesige Anzahl an Mahnschreiben, überlastete Hotlines bei den Finanzämter, etc.) , von Statten gehen soll, ist bisher nicht kommuniziert.
Schilda lässt Grüßen.

Formulare und Arbeitshilfen:
- Vordrucke einfach online ausfüllen und abschicken mit ELSTER: 

ELSTER

- Arbeitshilfe Wohnflächenberechnung:


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